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Aminosäuren in alphabetischer Reihenfolge

Aminosäuren und Proteine

Aminosäuren werden vom Körper in Form von Proteinen mit der Nahrung aufgenommen. Proteine sind faden­förmige Mole­küle, die aus mehr als 100 Amino­säuren bestehen. Amino­säuren sind also die Bau­steine der Proteine, die zahl­reiche lebens­wichtige Funk­tionen im Kör­per erfüllen. Bei­spiele für Pro­teine: Anti­körper (Immun­system), Hor­mone (Boten­stoffe), Kollagen (Struktur­proteine), Muskel­proteine. Der Kör­per nimmt Pro­teine mit der Nah­rung auf. Das Nah­rungsprotein wird im Magen-Darm-Kanal in Amino­säuren zer­legt.

Aminosäuren werden unterteilt in essentielle, semi-ess­entielle und nicht-essentielle Aminosäuren. Die essen­tiellen Amino­säuren müssen mit der Nahrung auf­ge­nommen werden, die nicht-essentiellen erzeugt der Orga­nis­mus aus ver­schiedenen Vorläufersubstanzen. Semi­essentiell bedeutet, dass eine nicht-essentielle Amino­säure unter bestimmten Umständen essentiell wird, z.B. bei Verletzungen, Krank­heiten oder in der Kindheit. Au­ßer­dem haben die Amino­säuren neben ihrer Eigenschaft als Protein­bausteine auch in ungebundener Form un­ter­schied­lich­ste Funktionen im Körper.

Nicht-essentielle Aminosäuren: Alanin, Glycin, Asparaginsäure, Asparagin, Glutaminsäure.

Essentielle Aminosäuren: Methionin, Threonin, Lysin, Valin, Leucin, Isoleucin, Phenylalanin, Tryptophan.

Semi-essentielle Aminosäuren: Arginin, Cystein, Glutamin, Histidin, Serin, Tyrosin.

Diese können für Säuglinge bzw. Kleinkinder und in ei­ni­gen Krankheitszuständen auch für Erwachsene essentiell sein.

Neben ihrer Funktion als Bausteine der Proteine haben viele Aminosäuren weitere, zum Teil recht spezielle Aufgaben im Körper. Hier einige Beispiele:

  • Die essentiellen Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin sind für den Muskelstoffwechsel bedeutend. Sie liefern Energie für die Muskelfunktion.
  • Alanin, Threonin, Glycin und Serin dienen der Leber zur Neubildung von Glukose, der Energiequelle Nr. 1 für den Körper. Dieser Prozess heißt Gluconeogenese.
  • Aus der Aminosäure Tyrosin wir das Schilddrüsenhormon Tyroxin gebildet.
  • Aus Arginin wird Stickstoffmonoxid (NO) gebildet, das für die Regulation des Blutdrucks wichtig ist.
  • Einige Aminosäuren sind Vorstufen für Neurotransmitter, die Botenstoffe im Gehirn.

Aminosäuren in alphabetischer Reihenfolge

Alanin Nicht-essentiell. Sehr stark glukoneogenetisch (kann zur Energiegewinnung in Glukose umgewandelt werden). Durch körperliche Anstrengung oder ein geringes Nahrungsangebot kann der Alaninspiegel im Blut durch die gesteigerte Umwandlung in Glukose deutlich sinken.
Arginin

Semi-essentiell (aber essentiell für Säuglinge und Kleinkinder). Bestandteil von Kreatin (wichtig für den Energiestoffwechsel der Skelettmuskulatur). Vorstufe des Botenstoffes Stickstoffmonoxid (NO), einer Substanz mit Wirkung auf die Durchblutung und das Immunsystem. Anwendung zur Förderung der Wundheilung. Zusätzliche Zufuhr bei Säuglingen und Kleinkindern sinnvoll.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: erhöhte Infektanfälligkeit

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: Fehlernährung

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Erdnüsse, Mandeln, Weizenkeime, Sojabohnen, Haselnüsse, Erbsen, Linsen, Fleisch, Fisch, Lauch, Rettich, Kartoffeln

Indikationen der Arginin-Supplementierung

  • Koronare Herzerkrankung
  • Angina pectoris
  • Herzinsuffizienz
  • Präeklampsie
  • Bluthochdruck
  • Infektionen
  • Interstitielle Cystitis
  • Immunsuppression
  • Schwere Verletzungen, Wundheilung
  • Verbrennungen
  • Wachstumshormonmangel
  • Leistungssport/Bodybuilding
  • Erektile Dysfunktion, weibliche Infertilität
  • Präoperativer Schutz
  • Leberinsuffizienz, Ammoniaküberschuss
  • Metabolische Alkalose
  • Zahnüberempfindlichkeit
Asparagin Nicht-essentiell. Entgiftung von Ammoniak, erhöht die Ausdauer, verringert Müdigkeit.
Asparaginsäure Nicht-essentiell. Entgiftung von Ammoniak, erhöht die Ausdauer, verringert Müdigkeit.
Citrullin Nicht-proteinogen (dient nicht als Proteinbaustein).Energie fördernd, stimuliert das Immunsystem.
Cystein Semi-essentiell. Kann aus Methionin entstehen. Bestandteil des Glutathions (Antioxidans - schützt die Zelle vor aggressiven Substanzen). Wichtig für das Immunsystem. Zusätzliche Zufuhr bei Neugeborenen und bei Leberzirrhose.
Glutaminsäure Nicht-essentiell. Zusammen mit den verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin Drehscheibe des Aminosäuren-Stoffwechsels. Ist selbst ein Neurotransmitter und zugleich Vorstufe des Neurotransmitters GABA. Außerdem eine der Vorstufen von Glutathion (Antioxidans - schützt die Zelle vor aggressiven Substanzen).
Glutamin Semi-essentiell. Vorstufe von verschiedenen Bausteinen der DNS und des Glutathions (Antioxidans - schützt die Zelle vor aggressiven Substanzen). Wichtig für die Funktion der Darmschleimhaut und des Immunsystems. Wichtig für die Entgiftung von Ammoniak (ein giftiges Abbauprodukt der Proteine). Anwendung bei schweren Traumata (Operationen, Verletzungen).
Glycin Nicht-essentiell. Kann in Serin umgewandelt werden. Stark glukoneogenetisch (kann zur Energiegewinnung in Glukose umgewandelt werden). Baustein des roten Blutfarbstoffes Hämoglobins. Baustein des Glutathions (Antioxidans - schützt die Zelle vor aggressiven Substanzen).
Histidin

Semi-essentiell (aber essentiell für Säuglinge und Kleinkinder). Baustein des Hämoglobins. Vorstufe des Histamins (beteiligt an allergischen und Entzündungsreaktionen).

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: erhöhte Infektanfälligkeit

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: langfristige Fehlernährung

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Rindfleisch, Lamm, Steinpilz, Soja, Stockfisch, Milcheinweißerzeugnisse, Hühnerei, Rüben, Gurken, Rettich, (grüner) Salat, Sellerie, Zwiebel, Knoblauch, Apfel, Ananas
Isoleucin

Essentiell. Zählt zusammen mit Leucin und Valin zu den sogenannten verzweigtkettigen Aminosäuren. Wichtig für die Energiegewinnung in der Muskulatur. Therapeutische Anwendung im Rahmen von Leberkrankheiten.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: Bei einem unausgewogenen Status kann sich die Anfälligkeit für Infekte aller Art, Autoimmunkrankheiten und Krebsentstehung erhöhen.

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: Die Gründe hierfür können auf Dauerstress, sportliche Überanstrengung (Leistungssport), einseitige Ernährung, daraus evtl. resultierende häufige Diäten und Krebserkrankungen zurückzuführen sein.

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Hülsenfrüchte (Erbsen!), Nüsse (Erdnüsse, Cashew), Käse (Parmesan!), Fleisch, Huhn, Leber, Fisch, Oliven, exotische Früchte (Avocado, Papaya, Quinoa)
Leucin

 Essentiell. Ist maßgeblich für die Stimulation des Muskelaufbaus verantwortlich, insbesondere bei älteren Personen. Leucin entfaltet seine wachstumsfördernde Wirkung durch die Aktivierung des Proteins m-TOR.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: Bei einem unausgewogenen Status kann sich die Anfälligkeit für Infekte aller Art, Autoimmunkrankheiten und Krebsentstehung erhöhen.

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: Die Gründe hierfür können auf Dauerstress, sportliche Überanstrengung (Leistungssport), einseitige Ernährung, daraus evtl. resultierende häufige Diäten und Krebserkrankungen zurückzuführen sein.

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Hülsenfrüchte (Erbsen!), Nüsse (Erdnüsse, Cashew), Käse (Parmesan!), Fleisch, Huhn, Leber, Fisch, Oliven, exotische Früchte (Avocado, Papaya, Quinoa)

Lysin

Essentiell. Bestandteil des Kollagens. (struktureller Baustein vieler Körpergewebe, z.B. von Haut und Knochen). Vorstufe des Carnitins (spielt eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel menschlicher, tierischer und pflanzlicher Zellen). Wird bei Herpesinfektionen angewendet.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: Bei einem unausgewogenen Status kann sich die Anfälligkeit für Infekte aller Art, Autoimmunkrankheiten und Krebsentstehung erhöhen.

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: Die Gründe hierfür können auf Dauerstress, sportliche Überanstrengung (Leistungssport), einseitige Ernährung, daraus evtl. resultierende häufige Diäten und Krebserkrankungen zurückzuführen sein.

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Rindfleisch (roh), Hühnerbrust, Lachs, Erbsen (getrocknet), Sojasprossen, grüne Gemüse, Sellerie, Orangen, Quinoa

Methionin

Essentiell. Bestandteil von S-Adenosylmethionin (SAM). SAM ist wichtig für Entgiftungsprozesse. Gegengift bei bestimmten Arzneimittelvergiftungen. Vorstufe von Cystein. Hilft bei der Aufnahme des Spurenelements Selen über den Darm.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: verstärkte Infektanfälligkeit, erhöhtes Krebsrisiko und Autoimmunerkrankungen

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: unausgewogene Ernährung über einen längeren Zeitraum, falsche Diäten, starke körperliche, Überanstrengung, starker Stress

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Eiweißpulver, Hühnereiweiß, Casein (frische Milch), (Blumen-) Kohl, Meerrettich, Lammfleisch

Ornithin Nicht-proteinogen (dient nicht als Proteinbaustein). Anti-Aging Eigenschaften, stimuliert Wachstumshormon-Freisetzung, hilft Fettüberschuss zu verbrennen, Hilfe bei Gewichtsreduktion.
Phenylalanin

Essentiell. Vorstufe der bedingt-essentiellen Aminosäure Tyrosin.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: verstärkte Infektanfälligkeit, erhöhte Anfälligkeit für Krebs und Erkrankungen des Immunsystems

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: langfristige Fehlernährung, starker Stress, unausgewogener Status von psychoaktiven Aminosäuren z.B. Phenylalanin, Übermaß an Diäten, sportliche Überbelastung, onkologische Erkrankungen

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Fleisch, Wurst, Fisch, Nüsse, Schokolade, Eiweiß, Soja, Weizen, Karotten, Bohnen, Yuba (japanische Küche)

Serin Semi-essentiell. Kann in Glycin und Cystein umgewandelt werden. Stark glukoneogenetisch, (kann zur Energiegewinnung in Glukose umgewandelt werden).
Taurin Nicht-proteinogen (dient nicht als Proteinbaustein). Entsteht aus Cystein. Ist wichtig für die Funktion von Nervenzellen. Defizit bei Infektionen, Niereninsuffizienz und Traumata (Operationen, Verletzungen).
Threonin

Essentiell. Kann in Serin überführt werden. Stark glukoneogenetisch (kann zur Energiegewinnung in Glukose umgewandelt werden).

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: verstärkte Infektanfälligkeit, erhöhte Anfälligkeit für Krebs und Erkrankungen des Immunsystems

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: dauerhafte Fehlernährung und Stress, Übermaß an Diäten, sportliche Überbelastung, onkologische Erkrankungen

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Sojabohnen, Linsen, Schweinefleisch, Schinken, Thunfisch, Ölsardinen, Nüsse aller Art, Edamer Käse, Alfalfa, Blattgemüse, Papaya, Karotten, Quinoa

Tryptophan

Essentiell. Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin und des Hormons Melatonin. Beide beeinflussen unter anderem die innere Uhr des Menschen, Serotonin unabhängig davon auch die Stimmungslage (Defizite können zu Depressionen führen).

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: verstärkte Infektanfälligkeit, erhöhte Anfälligkeit für Krebs und Erkrankungen des Immunsystems

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: langfristige unausgewogene Ernährung, häufige Diäten, übermäßiger Sport Leistungssport, starker Stress, onkologische Erkrankungen

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Speisekleie, Haferflocken, Sojabohnen, Cashew, Käse (Chester, Edamer, Brie), Fleisch, Garnelen, Makrele, Thunfisch, Rüben, Rettich, Fenchel, Bananen, Tomaten, Spinat

Tyrosin Semi-essentiell. Entsteht aus Phenylalanin. Vorstufe des Schilddrüsenhormons Thyroxin, des Hautpigments Melanin, und der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin. Zusätzliche Zufuhr evtl. bei Neugeborenen sowie bei Leber- und Niereninsuffizienz.
Valin

Essentiell. Zählt zusammen mit Leucin und Isoleucin zu den sogenannten verzweigtkettigen Aminosäuren. Wichtig für die Energiegewinnung in der Muskulatur. Therapeutische Anwendung im Rahmen von Leberkrankheiten.

Mögliche Symptome bei Mangelzuständen: verstärkte Infektanfälligkeit, erhöhte Anfälligkeit für Krebs und Erkrankungen des Immunsystems

Mögliche Gründe von Mangelzuständen: langfristige unausgewogene Ernährung, häufige Diäten, übermäßiger Sport Leistungssport, starker Stress, onkologische Erkrankungen

Enthalten in folgenden Lebensmitteln: Meeresfisch, Fleisch, Ente, Huhn, Leber, Parmesankäse, Linsen, Bohnen, Soja, Kohl, Hefe

Literaturhinweise

Uwe Gröber: Orthomolekulare Medizin, Wissensch. Verlagsgesellschaft Stuttgart 2008
Burgersteins Handbuch Nährstoffe, Haug Verlag 2002
Earl Mindell: Die neue Vitaminbibel, Heyne Verlag 2007
Dietl/Ohlenschläger: Handbuch der Orthomolekularen Medizin, Haug Verlag 2001
Cornelia A. Schlieper: Grundfragen der Ernährung, Verlag Handwerk und Technik 2000

 

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